

Stell dir vor, du gewinnst 162 Millionen Euro im Lotto. Und dann sagst du: „Nein“. Genau das passiert in „Nein zum Geld!“ von Flavia Coste.
Richard Carré, Architekt, Ehemann und frischgebackener Vater, lädt seine Frau Claire, seine Mutter Rose und seinen besten Freund Étienne zu einem scheinbar harmlosen Abendessen ein. Die Wohnung ist klein, das Baby schläft nebenan, der Braten steht im Ofen. Alles wirkt vertraut, ein wenig chaotisch, aber stabil.
Dann lässt Richard die Bombe platzen. Er hat im Lotto gewonnen. 162 Millionen Euro. Und er hat den Gewinn nicht abgeholt.
Was als moralische Heldengeschichte gedacht war, wird innerhalb weniger Minuten zur emotionalen Kernschmelze. Aus Freude wird Fassungslosigkeit, aus Fassungslosigkeit Wut. Jeder im Raum verbindet mit dem Geld etwas anderes: Sicherheit, Freiheit, Anerkennung, Rettung, einen Neubeginn. Nur Richard sieht darin eine Gefahr für Liebe, Freundschaft und Integrität.
Je länger der Abend dauert, desto klarer wird, dass es längst nicht mehr nur um Geld geht. Alte Verletzungen brechen auf. Verpasste Träume, unausgesprochene Vorwürfe, berufliche Enttäuschungen und familiäre Abhängigkeiten liegen plötzlich offen auf dem Tisch. Die Frage „Was hättest du mit dem Geld gemacht?“ verwandelt sich in eine viel größere: Wer sind wir eigentlich und was hält uns wirklich zusammen?
Mit schnellem Rhythmus, klugen Wortgefechten und schlagfertigem Humor zeigt das Stück, wie brüchig Moral, Liebe und Selbstbild werden können, wenn eine einzige Entscheidung alles ins Wanken bringt. Es ist eine Komödie, die einem zum Lachen und zum Selbstreflektieren bringt. Man lacht, während es im Raum brennt.
„Nein zum Geld!“ ist ein temperamentvolles Kammerspiel über Idealismus und Egoismus, über Partnerschaft, Freundschaft und Familie, und über die unbequeme Wahrheit, dass Geld vielleicht nicht glücklich macht, sein Fehlen aber sehr wohl Konflikte freilegt.
Ein Theaterabend, der unterhält, provoziert und das Publikum mit einer Frage nach Hause schickt, die jeder für sich beantworten muss: Was wäre ich bereit zu tun oder nicht zu tun für 162 Millionen Euro?